Foto: Josef Vorholt
Foto: Daniela Friebel
Fotos: Josef Vorholt
Foto: Daniela Friebel

Ein unglaubliches Repertoire von durchschnittlich 190 verschiedenen Strophentypen.

Auffällig ist dieser kleine, braune Zugvogel nicht durch sein Äußeres, sondern durch seinen stimmungsvollen Gesang, der im Frühling zu nahezu jeder Uhrzeit manchmal laut schmetternd, manchmal flötend erklingt. Während beide Geschlechter Rufe, z.B. einen lauten und deutlich ansteigenden Warnruf äußern können, singen tatsächlich nur die Männchen. Des Nachts erklingt der Gesang der unverpaarten Männchen ab ca. 23 Uhr auf der Suche nach einem Weibchen, mit dem sie in der Brutsaison vier bis sechs Junge großziehen. Haben sie eine Partnerin gefunden, konzentriert sich der Gesang in der Morgendämmerung und während des Tages auf die Verteidigung ihres Reviers gegen andere Männchen.

Balzgesang und Reviergesang unterscheiden sich voneinander. Während der Paarbildung, beim Nestbau und in den ersten Bruttagen tragen die Männchen ihren weniger strophig gegliederten nächtlichen Balzgesang leise und anhaltend vor. Tagsüber erklingt mit dem Reviergesang ihr unglaubliches Repertoire von durchschnittlich 190 verschiedenen Strophentypen, die jeweils ca. zwei bis vier Sekunden lang sind und aus dicht gereihten Doppel- oder Einzeltönen bestehen. Kaum ein anderer Vogel erreicht einen derart komplexen Gesang. Die Berliner Population von ca. 3000 Vögeln kann es bei dieser Vielfalt auf ca. 700 verschiedene Strophen bringen!

Gesangsbeispiel

Aussehen


Trotz ihrer kräftigen, imposanten Stimme ist die Nachtigall gerade so groß wie ein Haussperling und misst vom Schnabel bis zur Schwanzspitze etwa 16,5 cm. Ihre Flügelspannweite beträgt 25 cm. Dabei wiegt sie zwischen 18 und 27 Gramm, wobei es weder von der Größe noch dem sonstigen Aussehen her nennenswerte Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen gibt. Ausgewachsene Nachtigallen haben eine einheitlich rötlich-braune Oberseite mit einem deutlich kastanienbraunen Schwanz, der oft aufgestellt wird. Die Brust- und Bauchseite ist hellbraun bis hellgrau und ungefleckt. Ein gelblicher Ring umrandet die schwarz-braunen Augen, und auch der geöffnete Schnabel zeigt einen leuchtend gelben inneren Rand. 
Ab Ende Juli/Anfang August haben die ersten Jungvögel ihr Jugendgefieder abgelegt und tragen nach der Mauser das adulte Federkleid.

Film von Karsten Bartel

Lebensraum und Migration

Die mitteleuropäische Nachtigall ist ein Zugvogel, dessen Winterquartier sich im tropischen Afrika in einem Gürtel vom Senegal und Guinea bis Somalia, Kenia und Nordtansania erstreckt. Als Nachtzieher überqueren die kleinen Vögel in der Regel ab März/Anfang April mühelos die Sahara und das Mittelmeer, um pünktlich zum Brutbeginn Mitte April ihre süd- bis mitteleuropäischen Brutgebiete zu erreichen. Dabei überwinden sie Distanzen von bis zu 5500 km.

Im Brutgebiet angekommen besiedeln die Nachtigallen meist unterholzreiche Laubwälder mit einem hohen Anteil von Hecken, Sträuchern und Gebüschen. Ein dichter Unterwuchs mit am Boden rankenden Pflanzen, bevorzugt Brennnesseln, Hopfen, Brombeer- und Himbeergestrüpp und vor allem Falllaub bietet den Nestern ausreichend Deckung und den Jungen ein gutes Versteck. In städtischer Umgebung trifft man Nachtigallen daher auch in verwilderten Gärten, Parkanlagen, Friedhöfen und ausgedienten Gleisanlagen an. Gepflegte Ziergärten hingegen sind für die Bodenbrüter aufgrund der fehlenden Deckung gänzlich unattraktiv.

Fortpflanzung

Mit Vollendung des ersten Lebensjahres sind Nachtigallen geschlechtsreif und suchen sich einen Partner, dem sie in der Regel für die Brutsaison treu bleiben. Haben die Männchen ein Revier gegründet, stoßen die Weibchen innerhalb von einer Woche dazu und beginnen kurz nach der Auswahl ihres Partners mit dem Nestbau. Dabei zeigen sie ein erstaunliches Verhalten: während das Weibchen bei der Suche nach einem geeigneten Ort Blätter und Halme aufnimmt und diese immer wieder wegschleudert, fliegt das Männchen knapp vor ihr her und testet verschiedene geeignete Nistplätze aus, indem es sich auf den Boden kuschelt, zur Seite dreht und so heftig mit den Flügeln schlägt, dass das Laub zur Seite fliegt.

Ist die Entscheidung für den besten Platz gefallen, beginnt das Weibchen noch am selben Tag mit rasanter Geschwindigkeit, das Nistmaterial zusammenzutragen. Verwendet werden hauptsächlich Falllaub, Grashalme, feine Zweige, besonders gern lange dürre Brennnessel-Stängel und mit Vorliebe alte Eichenblätter. Nach 3-5 Tagen ist das Nest fertiggestellt, in welches das Weibchen in der Regel 4-6 Eier legt, welche sie 2 Wochen lang bebrütet. Erst am 4. Tag öffnen die Nestlinge die Augen. In dieser Zeit sitzen sie Bauch an Bauch zusammen und ändern am 6. Tag ihre gemeinsame Position, so dass alle sternförmig mit ihren Schnäbelchen nach außen gerichtet sitzen. Fast flügge verlassen die Jungen nach nur 11 Tagen das Nest, werden aber erst mit 16 Tagen flugfähig. Eine gefährliche Zeit, in der sie hauptsächlich Eichhörnchen und Eichelhähern zum Opfer fallen.

Nahrung

Die Hauptnahrungsquelle für Nachtigallen sind Insekten, während der Brutzeit vor allem Käfer und Schnaken, wobei an die Jungen auch gerne kleine Regenwürmer, Larven und Raupen verfüttert werden. In den ersten Tagen nach dem Schlüpfen werden diese mitunter in 1-min-Abständen vom Männchen zum Nest gebracht, um sowohl das Weibchen als auch die Jungen damit zu versorgen. Im Spätsommer ändern die Vögel ihre Nahrungspräferenzen und nehmen auch saftige Früchte und Beeren, vor allem Holunder und Johannisbeeren zu sich.

Verwechslung

Die Nachtigall sieht ihrer Schwesterart, dem Sprosser (Luscinia luscinia) zum Verwechseln ähnlich. Die graubraune Brustbefleckung und etwas dunklere Gesamtfärbung des Sprossers sind die deutlichsten optischen Unterschiede. Am besten lassen sie sich jedoch am Gesang unterscheiden, der beim Sprosser weniger abwechslungsreich und etwas langsamer erscheint.

Wenngleich Nachtigall und Sprosser geographisch getrennt voneinander vorkommen (der Sprosser besiedelt vornehmlich die feuchteren und kühleren Tiefländer Osteuropas), liegen Berlin und Brandenburg in der Überlappungszone der beiden, so dass es eher optisch als akustisch zu Verwechslungen kommen kann. Obwohl es sich um zwei getrennte biologische Arten handelt, kommt es in seltenen Fällen zu Mischbruten (Hybridisierung) und auch zu Mischgesängen bei Hybriden oder jungen Sprossern, die in ihrer Lernphase Gesangsanteile von benachbarten Nachtigallmännchen angenommen haben.

Systematik



Reich: Tiere (Animalia)

Stamm: Chordatiere (Chordata)

Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)

Klasse: Vögel (Aves)

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)

Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)

Gattung: Luscinia

Art: Luscinia megarhynchos

Internationale Namen


English: Common Nightingale
Französisch: Rossignol philomèle

Italienisch: Usignolo
Spanisch: Ruiseñor

Portugiesisch: Rouxinol
Polnisch: Słowik

Luscinia megarhynchos ist ein Zugvogel, dessen Winterquartier sich im tropischen Afrika befindet. Sie bevorzugt Brutreviere mit dichtem Unterholz und viel Falllaub. Ihre Hauptnahrungsquelle sind Insekten. Ihr geöffneter Schnabel zeigt einen leuchtend gelben Innenrand.